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  • Patricia Pfarr

Vier Tage oder 42-Stunden-Woche?

Aktualisiert: 16. Aug.


Die Regelarbeitszeit auf 42 Stunden bei vollem Lohnausgleich zu erhöhen, wie BDI-Präsident Siegfried Russwurm vorschlägt, hat eine intensive Debatte ausgelöst, Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden. Vielleicht erinnern sich noch einige an die Proteste, die Ministerpräsident Edmund Stoiber vor fast zwei Jahrzehnten erntete, als er die bayerischen Beamten zwei Stunden länger in der Woche hatte arbeiten lassen wollte. Die Regelung verschwand schneller als sie eingeführt wurde. Gleiches gilt für den Versuch in NRW im vergangenen Jahr. Natürlich muss man Russwurm recht geben, dass eine 42-Stunden-Woche einfacher umzusetzen wäre als eine allgemeine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre. Aber ist das die Lösung?

Bislang müssen die Beschäftigten in Deutschland meist 40 Wochenstunden arbeiten (abgesehen von anderweitigen tariflichen oder betrieblichen Regelungen). Das sind schon mal fünf Stunden mehr als zum Beispiel in Frankreich. Geschweige denn, dass um Deutschland herum, das Renteneintrittsalter noch weit vor dem hier geltenden liegt. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel solle also der Versuch gestartet werden, mehr Wochenstunden zu leisten - obwohl laut Statistischem Bundesamt in 2021 eh schon 4,5 Millionen Arbeitnehmer*innen Überstunden geleistet hätten, jeder fünfte davon unbezahlt.

Schweden experimentiert bereits mit einer kürzeren Wochenarbeitszeit (z.B. 6h/Tag), in Belgien wie Island gibt's die Vier-Tage-Woche und in Großbritannien wird ein ähnliches Arbeitsmodell getestet. Und hierzulande berichten Unternehmen, die bereits kürzere Arbeitszeitmodelle eingeführt haben, ebenso wie zahlreiche Studien, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen steige - und das bei gleichbleibender Produktivität und ohne übermäßigen Anstieg der Überstunden. Aus Meinungsumfragen weiß man, dass mehr als die Hälfte der Befragten für eine Vier-Tages-Woche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen würde Vielleicht sollte sich die Industrie Gedanken darüber machen, ihren Beschäftigten Arbeitsmodelle und Anreize zu bieten, mit denen sich etwa Beruf und Privatleben besser verbinden lassen.


Eine Auswahl an Links zum Thema:

https://www.capital.de/karriere/42-stunden-woche--warum-die-vier-tage-woche-besser-sein-koennte-31978578.html

https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/streit-um-arbeitszeit-zweiundvierzig-stunden-woche-laenger-arbeiten-gefaehrlich-100.html

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitszeit-spd-sigmar-gabriel-1.5627568

https://www.zeit.de/2022/31/42-stunden-woche-sigmar-gabriel-arbeitskraeftemangel


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